Die Macht der Verführung Die Macht der Verführung: Sie unterläuft die Wahrheit und die
Kräfte der Produktion, sie erledigt, parodiert den Sinn und lockt
uns ins Spiel. Die Macht der Verführung ist die Macht des Weiblichen.
Das Weibliche aber ist unwiderstehlich: der reine Schein - substanzlos,
mysteriös, ungeheuer. So beginnt Baudrillard uns die Geschichte
der Verführung zu erzählen, eine Geschichte, die immer wieder
beginnt, die nie zum Ende kommt. Inhalt: Stimmen der Kritik: "Dieses Hördokument klingt wie ein letzter Selbstkommentar. Der
achtundsiebzigjährige Baudrillard legt in sein philosophisches
Extemporieren einen Ton der Heiterkeit, der seinen Ausführungen
alle kulturkritische Schwere nimmt und auch nichts von der damals
schon fortgeschrittenen Krankheit verrät. Die Sätze wirken beinah
wie hingeplaudert, im Spiegel der deutschen Fremdsprache aber
ohne die rhetorische Selbstverliebtheit, die diesem und anderen
Denkern seiner Generation manchmal anhaftete. Die Zeitdiagnosen
wirken wie Tröstungen eines Freundes, der Trübsinn nicht kennt
und rechtzeitig vor dem Schlusswort verstummt." (Joseph Hanimann,
FAZ) "Diese Stimme! Voll und samtig, mit wunderschönem Akzent, beschwört
hier ein Franzose die Vorzüge der Verführung: ein Duell zweier
Gegenüber, ein Spiel nach Regeln, eine Herausforderung, ein kristallklarer
Zustand - was ist dagegen schon die Liebe, dieser Drang nach Verschmelzung?
Verführerisch zieht einen Baudrillards Stimme in einen Denkstrudel;
er lockt im Gespräch sein für uns unsichtbares, unhörbares Gegenüber
zur Zustimmung; man hört ihn in die Hände klatschen und seine
Stimme in helle Freude eintauchen, wenn er wieder eine schöne
Formulierung gefunden hat." (Christian Esch, Berliner Zeitung) "Kurz vor seinem Tod besprach Jean Baudrillard auf Deutsch eine
Audio-CD. Es war eines der wichtigen Themen, auf die der französische
Philosoph Jean Baudrillard immer wieder gern zurückkam. Worin
liegt die Macht der Verführung? Schon der Begriff ist bei Baudrillard
eine scharfe Entgegensetzung zur Liebe, die es gewiss gibt, aber
das ist eben auch schon alles. Man liebt seine Mutter, die Natur,
eine Frau, kleine Vögel, da bleibt Baudrillard eher skeptisch.
In einer Welt als Simulation aber, in der es kein Festhalten an
der Wirklichkeit gibt, vermag der Mensch selbst Zeichen zu produzieren,
um mit ihnen zu verführen. Mit der Verführung lassen sich die
Wahrheit und die Kräfte der Produktion unterlaufen, 'sie erledigt,
parodiert den Sinn und lockt uns ins Spiel', wie es in dem 1983
erschienenen Essay 'Laßt euch nicht verführen!' heißt. Für eine
Audio-CD hat Baudrillard diese Überlegungen im vergangenen Herbst
weiterentwickelt - was frei auf Deutsch vorgetragen angenehm samtig
klingt. Es ist schön, dem Philosophen ein letztes Mal dabei zuzuhören,
wie er sich brüchig in der ungewohnten Sprache vorwärts tastet."
(Harald Fricke, die tageszeitung) "Philosophisches, charmant erzählt, noch dazu mit französischem
Akzent: Kann es ein verführerisches Bildungserlebnis geben? Es
ist ein Glück, Jean Baudrillard zuzuhören bei seinen Gedanken
über Liebe, Leidenschaft, Verführung und Tod. Es ist eine feinsinnige
Erinnerung an den im März verstorbenen Philosophen und ein weiteres
Beispiel für das außergewöhnliche Programm von supposé." (hr2
Hörbuch-Bestenliste, Juli 2007) "Die große humanitäre Geste war ihm ein Gräuel, die Demokratie
ein virtuelles Schattenspiel und die Warenwelt ein Schein. Die
hyperreale Welt der Verführung manipuliere den Kunden. Als lächerlich
empfand er aber auch den Anspruch der Linken, die Welt zu ändern.
Jetzt ist der einflussreiche Denker 77-jährig in Paris gestorben.
Vom bereits schwer kranken Jean Baudrillard erschien als letztes
Ende 2006 das Hörbuch 'Die Macht der Verführung'. Auf Deutsch
spricht er über Liebe, Sex und Verführung." (dpa) "Auf deutsch - mit gelegentlichen und sehr sympathischen französischen
Einsprengseln - erfindet Baudrillard beim Nachdenken über die
Verführung Worte suchend tolle neue Vokabeln, spricht von 'Verschwindelung'
und der 'Wiederbezauberung der Welt'. Schön klingt das..." (Knut
Cordsen, Bayern 2 Radio, Hörbuch-Magazin) "Der viel gerühmte Kölner Verlag supposé versorgt uns seit Jahren
mit unvergleichlichen Diamanten aus den wissenschaftlichen Schränken
der ganzen Welt. Klaus Sander gräbt entweder Tondokumente liebevoll
posthum aus - wie bei Paul Feyerabend oder Albert Einstein - oder
überzeugt große, meist etwas jenseits vom Mainstream positionierte
Denker zu Gesprächen, die anschließend als nachdenklich-unterhaltsame,
schön gestaltete Monologe erscheinen. So entstand auch die zweite
Kooperation mit dem bekannten französischen Philosophen Jean Baudrillard.
Der schwer erkrankte Querdenker spricht hier charmant auf Deutsch
(!) über Liebe, Sex und Verführung zwischen Pornographie und Tod.
Wahrlich nichts zum Nebenbeihören und deswegen voller überraschender
Erkenntnisse." (Christoph Jacke, GIG Münster) "Auf Deutsch gesprochen, reflektiert der Theoretiker des symbolischen
Tausches hier die Magie der Verführung im Gegensatz zu einer Kultur
der Triebbefriedigung." (Frank Hartmann) "Baudrillard präsentiert auf Deutsch eine vielleicht typisch französische
spiralförmige Denkweise am Beispiel der 'Macht der Verführung'...
Das tut er so charmant mit leisem Lachen und Fragen 'wie sagt
man?', dass meiner Beifahrerin der einstündige Stau bei Hannover
amüsant verkürzt wurde." (Volker Gransow, Kulturation) "Liebet einander oder verführet einander? Baudrillard plaudert
mit dem entsprechenden Akzent..." (DIE ZEIT) "Mut zur Sperrigkeit sowie ausgewiesene Intelligenz konnte man
dem kürzlich gestorbenen französischen Philosophen und ausgewiesenen
Kapitalismuskritiker Jean Baudrillard attestieren. In seiner letzten
Aufnahme, der auf deutsch gesprochenen CD 'Die Macht der Verführung',
seziert der kritische Prophet digitaler Wirklichkeiten das Gefühl
der Liebe trotz charmantem französischen Akzent gnadenlos: 'Liebe
gibt es, das ist aber auch alles.' Ein Insider-Tipp für Logiker,
die sich auch ohne Effekthascherei 68 Minuten auf einen Text konzentrieren
können." (Frank Hommel, Freies Wort) "Das Hördokument von Jean Baudrillard weist eine einmalige Intensität
auf - die eines genial gereiften Geistes mit blitzgescheitem,
verhaltenen bis behutsam-zögerlichen Spiel zwischen Deutsch und
seinem ureigenen Französisch... Er erzählt vom verhängnisvollen
Duell von Mann wie Frau in einer grausam globalisierten Welt zwischen
Apotheose und Apokalypse..." (Kultur-Punkt) "Baudrillard will nicht nur über Verführung schreiben, er will
sie praktizieren. Er spricht weich, lacht und klatscht, ohne aber
ins Lächerliche abzudriften. Das mag daran liegen, dass er ein
begnadeter Stilist ist, impulsiv und anregend." (Stefanie Siegert,
der blaue reiter)
mit Jean Baudrillard
Konzeption und Regie: Thomas Knoefel
Erzähler: Jean Baudrillard
Aufnahme: Klaus Sander
Schnitt: Anja Theismann
Mastering: Michael Schlappa
Produktion: supposé 2006
Audio-CD, 68 Minuten
ISBN-10: 3-932513-67-3
ISBN-13: 978-3-932513-67-1
Euro 18,00
BESTELLUNG
Es geht nicht um Sex. Es geht nicht um Lust. Das Sexuelle ist
flach und banal, nur Physiologie, Mechanik, Sport - die Verführung
dagegen eine Herausforderung, ein Duell, "geheime Distanz", eine
Beziehung der Überbietung, der Entgegnung. Sie favorisiert das
Schwache, kreist um leere Begriffe, arbeitet mit Magie und Zauber.
Die Verführung ist ritueller Tausch: "Ich kann nur verführen,
wenn ich schon verführt bin, und niemand kann mich verführen,
ohne selbst schon verführt zu sein." Baudrillard, der Verführer,
führt uns durch alle Arten der Verführung: Die Verführung Gottes,
der Götter, der Toten, der Frau, des Spiels.
Aber was für arme, schwache Zeiten für die Verführung: Wir sind
eine Kultur der "ejaculatio praecox" - Triebabfuhr und Befriedigung
stehen auf dem Programm! Es ist die Zeit der Wahrheitsapostel
und Sinnstifter, der Produzenten, Klone, der Liebe, des Universellen.
Gegen diese Übermacht evoziert Baudrillard das Schicksal, die
Leidenschaft, das Flüchtige, den Tod! Doch die Macht der Verführung
ist auch und gerade dort, wo die Verführung ausgeschlossen, gebannt,
exorziert werden soll.
Jean Baudrillard, der große französische Theoretiker spricht hier
deutsch. Gelegentlich fällt er für einige, wenige Sätze in seine
Muttersprache, um diese dann gleich zu übersetzen: Selten waren
Suchbewegungen des Denkens, war Sprachfindung plastischer, präsenter.
Und in den Lücken, dem Abgrund zwischen den Sprachen kommt das
Unaussprechliche, Namenlose zum Vorschein. So wird die Stimme
Baudrillards selber zum Instrument der Verführung: rhapsodisch,
beschwörend, lockend... Das uralte Lied... Die Verführung stirbt
nie!
1 Prolog: Wider die Liebe
2 Eine kurze Geschichte der Verführung
3 Séduction und Produktion
4 Die Macht des Weiblichen
5 Von der Verführung der Toten
6 Verführung und Pornographie
7 Die Verführung Gottes
8 Perversion und Verführung
9 Über die Normierung der Welt
10 Jenseits des Zufalls
11 Verführung und Liebe
12 Technik und Magie
