Stimmen der Kritik: "Hörbücher boomen. Fast jeder neue Bestseller kommt inzwischen
auch in einer Audiofassung auf den Markt - die jedoch meist nicht
mehr ist als eine Version für Lesefaule. Diesen Vorwurf kann man
den Audiobüchern des vielfach ausgezeichneten Berliner Verlags
supposé nicht machen. Nicht ein geschriebener Text steht bei supposé im Mittelpunkt, sondern das gesprochene Wort. Das ideale i-Pod-Futter
für alle, die beim Spazierengehen oder in der U-Bahn gern auf
neue Gedanken kommen." "Porträts aus Stimmen: Seit 15 Jahren produziert Klaus Sander
die wohl originellsten Hörbücher der deutschsprachigen Literaturwelt.
Er wirkt nachdenklich und zurückhaltend, doch nach und nach schiebt
sich eine andere Eigenschaft in den Vordergrund: seine unbedingte
Neugierde. In Sanders Audioproduktionen entstehen ganz eigene
Universen, spontane Momente, in denen Menschen ein besonderes
Wissen teilen. Sander selbst sieht seine Produktionen stilistisch
in der Nähe des Dokumentarfilms. Vor jedem Projekt bereitet er
eine Art Drehbuch vor. Für ihn ist jede Produktion ein Experiment,
sind alle CDs auch Porträts der Erzählenden, ganz gleich, ob diese
über ihre Kindheit sprechen oder über ihr wissenschaftliches Arbeitsfeld.
Die Stimme und die Art des Erzählens machen den Menschen erkennbar.
Auch ohne Bild." "Seit fünfzehn Jahren publiziert Klaus Sander ausschließlich CDs.
Aber sein Audio-Label grenzt sich ausdrücklich von dem ab, was
gemeinhin als Hörbuch bezeichnet wird. Mit vorgelesenen Büchern
haben diese CDs nichts zu tun, sie sind dem frei gesprochenen
Wort verpflichtet: Wissenschaftler, Künstler und Literaten sprechen
über ihre Arbeit oder ihr Leben, oftmals über beides, in der Unmittelbarkeit
des persönlichen Erzählens. Klaus Sander agiert gleichzeitig als
Produzent und Verleger. Wenn er in Produktion geht, ist die CD
in seinem Kopf bereits fertig. Alles zielt auf die Aufnahme hin,
sie ist wie eine kultische Handlung. Als Regisseur geht Sander
mit seinen Gesprächspartnern niemals ins Studio, sondern in Wohnungen,
Forschungslabore oder die freie Natur. Dort, wo sich die Kapazitäten
am wohlsten fühlen, bringt er sie zum Erzählen. Aus diesem Material
entsteht am Schnittcomputer die CD. Sander horcht in die Aufnahmen
hinein, dann fügt er die Tracks mit Hilfe des Tonmeisters zu einer
schlüssigen Erzählung zusammen. Genüsslich folgt der Zuhörer der
geschliffenen Rede des Erzählenden und beneidet mitunter seine
Fähigkeit zur makellosen Rede. Denn Sander löscht nicht nur alles
Räuspern und Stottern, sondern auch sich selbst als Fragenden.
An seiner Stelle wird später der Hörer sitzen und das Gefühl haben,
die Geschichte werde ihm persönlich erzählt. Hier hat Sander ein
eigenes Format erfunden. Seine künstlerischen Interessen stehen
ganz klar vor den kaufmännischen Notwendigkeiten des Verlegers.
Wer die Freude hat, viele supposé-CDs zu hören, wird immer wieder Verknüpfungen entdecken. Ein
riesiges Reich ist wiederzuentdecken, das Reich der mündlichen
Erzählung." "Klaus Sander trifft Wissenschaftler und Künstler und bringt sie
zum Sprechen. Wie er das macht, bleibt sein Geheimnis, denn man
hört ihn nicht. Seine Gesprächsanteile werden rausgeschnitten.
Kein Job für Selbstdarsteller also. Wie kommt man dazu? Von Anfang
an war supposé ein außergewöhnliches und eigensinniges Vorhaben. Wenn Klaus
Sander über Leben und Label spricht, klingt der Eigensinn immer
noch frisch. Gleichzeitig betont er die organische Entwicklung
seines Forschungsunternehmens, das durchaus gewisse Risiken birgt.
Projekte, selbst wenn sie gut vorbereitet sind, können auch scheitern
Seit dreizehn Jahren reist Klaus Sander umher, projektiert,
produziert und erntet euphorische Kritiken. Für das Gesamtprogramm
von supposé gewann er den Deutschen Hörbuchpreis und den Kurt-Wolff-Preis
für besondere Projekte. Der Mainstream war nie sein Zuhause, aber
inzwischen hat er die neugierigen Hörer auf seiner Seite." "Klaus Sander lebt in Berlin, in einer jener Altbauwohnungen des
alten Westens, in die man sofort einziehen möchte. Hohe Räume,
Regale bis an die Decke, bestückt mit Büchern, vor allem aber
natürlich mit den eigenen CDs. Klaus Sander ist das Audio-label supposé. supposé ist ein Solitär, denn es produziert keine Hörbücher,
sondern erzählte Welt. Jede CD ist Teil des umfassenden Projekts,
das vergängliche gesprochene Wort in eine ihm gemäße Kunstform
zu überführen. Aber jede CD steht auch für sich, hat eine(n) andere(n)
Erzähler / Erzählerin, der / die sich in freier Rede einem anderen
Thema widmet. Sie entstehen meist dort, wo sich der Erzähler besonders
wohl fühlt oder seinem Thema nahe ist, zuhause also oder am Arbeitsplatz,
nicht in einem sterilen Studio. Und sie folgen einer speziellen,
von Sander im Laufe der Jahre entwickelten Ästhetik des Mündlichen.
Die Abfolge der Episoden wird richtiggehend komponiert. Das, was
Mündlichkeit kennzeichnet, nämlich Redundanzen, Versprecher, abgebrochene
Sätze, Pausen, Geräusper usw., wird zum großen Teil getilgt durch
Tausende von Schnitten, teilweise aber auch stehen gelassen, um
Authentizität und Charme des Gesprochenen zu bewahren. Sander
versteht seine Produktionen als Dokumente einer privaten Forschungsarbeit
im weiten Bezirk des Mündlichen. Wovon auch immer die Sprechenden
erzählen, nebenher entstehen lauter Portraits, denn kaum etwas
verrät mehr über Alter, Herkunft, Temperament, emotionale Betroffenheit
als die Stimme." "Mit seinem Audio-Label supposé bringt Klaus Sander ein phantastisches Expertenkabinett zum Sprechen.
Mit traditionellen Hörbüchern hat das wenig zu tun. Hier gerät
ein eher nüchtern klingender Naturwissenschaftler skriptlos und
wie aus Versehen ins Schwärmen - nach drei, vier Tracks glaubt
man ihm gern, dass Buntbarsche die tollsten Fische überhaupt sind.
Vom Gesprächspartner kommt kein Wort, die Fragen sind im Off des
Schnitts verblieben. Trotzdem ist es offensichtlich, dass man
einem Dialog zugeschaltet ist; so wähnt sich der Zuhörer in der
Position des ausgeschnittenen Gegenübers. Zusammen mit dem farbenprächtigen
Booklet ergibt die CD eine Art Wissenschaftskunstwerk. Bei vielen
CDs von supposé ist das so. Man wird auf Augenhöhe angesprochen, denn die Wissenschaftler
vermeiden den pädagogischen Onkel- oder Tierfilm-Ton, der einem
jede noch so gut gemeinte Einführung in ein unbekanntes Terrain
vermiesen kann. "Viele Hörer von MDR Figaro erinnern sich sicher an Ein Sommer, der bleibt und Die Nacht ist aus Tinte gemacht, beide Male erzählten Schriftsteller ihre Kindheit, ohne Manuskript,
im Gespräch aufgenommen und dann zu einem Monolog zusammengeschnitten.
Der Mann, der hinter diesen Aufnahmen steckt, ist Klaus Sander.
Da geht er los mit viel Wissen im Kopf und noch mehr Neugier und
befragt Forscher, bittet sie, ihm und dem Mikrofon aus ihrem Fachgebiet
zu berichten und dabei kommt dann eine ganz eigenwillige Kommunikationsform
heraus, und wie ich finde, eine ziemlich faszinierende Form. Sander
nimmt keine öffentlichen Vorträge auf und auch keine mündlichen
Fassungen von fertigen Manuskripten, sondern er schafft eine Situation,
in der die Wissenschaftler ihn ansprechen, ihm etwas erklären,
also eine 1:1-Kommunikationssituation, wie sie für ein Hörmedium
eigentlich wie geschaffen ist. Jeder Radiomoderator kennt das,
die Vorstellung, am Mikrofon eine bestimmte Person anzusprechen,
und jeder Radiohörer kennt das auch, das Gefühl angesprochen zu
sein, gemeint zu sein, und das funktioniert bei den Wissenschafts-CDs
von supposé ganz fantastisch. Ich glaube vor allem deshalb, weil neben aller
Wissenschaftlichkeit immer auch Begeisterung im Spiel ist, Emotion.
Mich fasziniert das, diese Kraft des gesprochenen Wortes, der
mündlichen Rede. Da wird auch in der Langsamkeit, in der Gründlichkeit
eine Kulturtechnik gepflegt, die selbst für uns im Kulturradio
nicht selbstverständlich ist. Da wird ein Zuhören eingefordert,
da wird die Kognition angesprochen und das Denken angeregt." "Es gibt in Berlin einen Verlag, der nennt sich Edition supposé. Die Kölner Kulturbürokraten sind so idiotisch, dass sie noch
nicht einmal die Stützwände ihrer Stadtarchive gelegentlich nachprüfen
können - nein, die können auch noch nicht einmal ihre Verlage
halten: Die Edition supposé zog vor wenigen Jahren von Köln nach Berlin um. Das ist ein Ein-Mann-Betrieb
und dieser eine Mann hat eine geniale Idee gehabt, nämlich Koryphäen
ihres Faches zu befragen, ihnen ein Tonbandgerät unter die Nase
zu halten und aus diesen Befragungen Hörbücher zu machen, in denen
sie in freier Rede erzählen, was sie denn eigentlich an ihrem
Fachgebiet so aufregend finden und dann aber tatsächlich auch
die Essenz dieses Wissens vermitteln. Und mich versetzen diese
Hörbücher, die eben nicht Begleitlesungen zu ohnehin am Markt
befindlichen Büchern sind, sondern ganz eigene, gar frei erzählte
Sachen sind, in eine Art Wissensrausch oder Ekstase am Wissen,
wie wir alle es kennen, glaube ich, in der dritten oder zweiten
Schulklasse im Sachbuchunterricht, als man zum ersten Mal erfährt,
was denn der Unterschied zwischen Blatt, Zweig, Ast, Stamm und
so weiter ist. Sich darin wieder zurückversetzt zu sehen, ist
ein großes Wunder. Und man begreift wieder, wie im 21. Jahrhundert
Wissenschaft funktioniert, und dass man selber durchaus in sich
den Wissenschaftler noch entdecken kann. Der ist nicht tot, auch
wenn wir heute beruflich etwas ganz anderes machen. Ich bin ein
großer Fan von diesen Hörbüchern." "Bei jeder Veröffentlichung des inzwischen in Berlin ansässigen
supposé-Verlags herrscht Einigkeit bei den Kritikern über die herausragende
Sonderstellung, die die Produktionen in der Hörbuchlandschaft
einnehmen. Etwa 80 Produktionen realisierte Klaus Sander in den
letzten 12 Jahren. Absolut hörenswert!" "Was Alexander Kluge im Fernsehen gelingt, die Vermittlung von
Wissen in Gesprächsform, schafft Klaus Sander im Hörbuch: Der
Inhaber des supposé Verlags veröffentlicht nicht nur historische Aufnahmen berühmter
Wissenschaftler, sondern lässt auch zeitgenössische Koryphäen
über ihre schwierigen, mal mehr, mal weniger abseitigen, immer
aber spannenden Themen sprechen. Die Methode ist einfach: Der
Spezialist sieht sich in einer Face-to-Face-Situation gezwungen,
seine komplexen Erkenntnisse verständlich darzustellen. Die mündliche
Form - die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden -
erzeugt dabei einen unglaublichen Sog, etwa wenn der Konstanzer
Zoologe Axel Meyer über sein Lieblingsstudienobjekt, die Buntbarsche,
spricht - und dem Zuhörer, der den Biologieunterricht seinerzeit
verflucht hat, wird es keine Sekunde langweilig." "Das große Geheimnis der unglaublichen Reihe 'Erzählte Wissenschaft'
bei supposé besteht darin, dass Klaus Sander es schafft, Situationen herzustellen,
wo er selber ein so aufmerksamer Zuhörer und aufmerksames Gegenüber
ist, dass man sich als Hörer immer wieder auch in dieser Situation
wiederfindet. Es wird einem direkt erzählt, es wird dem einzelnen
Zuhörer erzählt und es wird einem sehr wohl vorgebildeten, aber
eben nicht Experten erzählt, so dass ein ausgewogenes Verhältnis
auch an Tiefe der naturwissenschaftlichen Hintergründe besteht." "Klaus Sander wird mit seinem supposé Verlag langsam zum legitimen Enkel des enzyklopädischen Interviewers
Alexander Kluge." "Für sein Audio-Label supposé bittet Klaus Sander Geruchsforscher, Quantenphysiker und Bioniker
von Weltrang, über ihre Arbeit zu sprechen. Nicht in der sterilen
Atmosphäre eines Studios, sondern im persönlichen Rahmen ihres
Arbeitszimmers, Zuhauses oder einer anderen, wichtigen Wirkungsstätte.
Die anspruchsvollen Inhalte, die der Wissenschaftler mit sonorer
Stimme auf der CD referiert, sind für Laien wesentlich besser
nachzuvollziehen, als wenn sie in die steifen Sentenzen eines
Fachbuches gepresst wären - von der Anschaulichkeit, die beim
geschriebenen Wort gerne verloren geht, ganz zu schweigen. Genau
darum geht es in der ungewöhnlichen Serie 'Erzählte Wissenschaft':
im gesprochenen Wort für Nicht-Experten Sachverhalte zu vermitteln,
die sich sonst selbst in einem populärwissenschaftlichen Buch
nur schwer eingängig darstellen ließen. Bienenforscher Jürgen
Tautz suchte Sander zwar nicht direkt am Bienenkorb auf, aber
in seinem nahe gelegenen Büro an der Uni Würzburg. Mit Quantenphysiker
Anton Zeilinger zwängte er sich auf das Dach der Wiener Kuffner-Sternwarte,
von wo aus Zeilinger Versuche zum Beamen von Lichtteilchen unternommen
hatte. Da die Zeit bei Wissenschaftlern dieses Ranges immer knapp
bemessen ist, stehen Sander für die Aufnahmen einer 90- bis 150-Minuten-CD
selten mehr als ein oder zwei Tage zur Verfügung. Das bedingt,
dass sich der Produzent in die komplexe Thematik des jeweiligen
Wissenschaftsgebietes intensiv einarbeiten muss. Sonst könnte
er die Ausführungen seiner Erzähler wohl kaum so steuern, dass
nach der Endbearbeitung der Aufnahmen ein schlüssiges Ergebnis
vorliegt. Doch dies gelingt jedesmal meisterlich: Jeder der Denker
erlaubt einen Einblick in sein immenses Wissen und seinen ganz
persönlichen Zugang zu seinem Fachgebiet. Gerade weil Sanders
CDs auf jede Form optischer Unterstützung verzichten und den Zuhörer
zwingen, sich ganz auf den Sprechenden einzulassen, ermöglichen
sie eine überraschende Erfahrung: Niemand würde damit rechnen,
derart komplexe Inhalte rein dadurch zu begreifen, dass man sie
geschildert bekommt. 'Erzählte Wissenschaft' ist eine Aufforderung
an uns visuell geprägte Menschen, sich wieder stärker auf das
Erlebnis des Zuhörens einzulassen. Und sie sind ein packendes
Zeugnis dafür, dass selbst eine so augenscheinlich trockene Materie
wie Quantenphysik in Wirklichkeit ungemein sinnlich sein kann." "Jeder der feine, besondere Hörbücher kennt wird sicher auch mit
supposé schon mal in Berührung gekommen sein. Ich bin jedenfalls großer
Fan davon." "In seinen Produktionen glückt es supposé-Betreiber Klaus Sander dank seiner künstlerischen Akribie immer
wieder auf staunenmachende Weise, diesen mitunter immensen Aufwand
in eine quasi ideale Suggestion von Authentizität zu überführen.
Er arbeitet damit an einer prekären medialen Schnittstelle, macht
über die Gehalte seiner Produktionen hinaus immer auch Fragen
nach den Herstellungsbedingungen und -prozessen dieser Gehalte
für den Rezipienten fruchtbar, er setzt gewissermaßen unsere unmittelbare
Wahrnehmung der produktiven Reibung an ihrer Gemachtheit und im
Vollzug dessen der Lust am Erkenntnisgewinn an ihr aus. Konsequenterweise
sieht Klaus Sander sich, nach dem Produktionsverfahren befragt,
denn auch näher an der Arbeit eines Dokumentarfilmers und lehnt
die Bezeichnung 'Verleger' für sich ab. Im Programm von supposé, das von historischen Originalaufnahmen über Audiophilosophie
und erzählte Wissenschaft grandiose Hörschätze zu bieten hat,
finden nicht Autoren zu einem Verlag, sondern Klaus Sander fragt
nach umfangreicher Recherche gezielt Menschen an, um sich von
ihnen etwas erzählen zu lassen, was nur sie so erzählen können.
Und auch wenn er selbst auf den CDs nicht zu hören ist, ist er
doch als der Gesprächspartner und Zuhörer bei der Aufnahme, als
Initiator, Produzent und Arrangeur im Stillen präsent. In supposé-Produktionen, in denen namhafte Wissenschaftler und Philosophen
ohne zuvor angefertigtes Manuskript, nur auf der Grundlage eines
vorgeschlagenen Konzeptes, frei erzählen, hat Klaus Sander es
verstanden, sie zu einer Vermittlungsfähigkeit und Kunstfertigkeit
der Rede zu bringen, die sie sich womöglich selbst nicht zugetraut
hätten. Auch das ist, es kann nicht anders gesagt werden, eine
Kunst." "supposé will kein Hörbuch-Verlag sein. Nicht Bücher sollen vorgelesen
werden, sondern eigenständige Hörwerke entstehen, unmittelbar
hervorgegangen aus der mündlichen Rede. Wissenschaft, so das Konzept,
soll erzählt werden. Das gelingt, etwa wenn Professor Werner Nachtigall
über Bionik spricht. Nicht minder packend ist es, wenn sich der
Biologe Hanns Hatt den Grundlagen unserer Duftwahrnehmung widmet.
Doch nicht nur lebende Forscher erzählen für supposé von den Gegebenheiten, den Erkenntnissen und den noch unbekannten
Zonen ihrer Wissenschaft. Klaus Sander ist auch in die Archive
hinabgestiegen und hat dort interessante Funde gemacht. Zu den
Autoren seiner CD-Edition zählen daher die größten Wissenschaftler
des letzten Jahrhunderts. Faszinierende Doppel-CDs bieten Original-Tondokumente
von Albert Einstein, Max Planck, Werner Heisenberg oder Lise Meitner,
um nur einige zu nennen. Sowohl mit diesen Archiv-CDs als auch
den meisten anderen, auf denen führende Forscher wissenschaftliche
Erkenntnis auf erzählende Weise darbieten, löst supposé seinen
Anspruch ein. Er behauptet einen eigenständigen Platz in der Hörbuchszene.
Bemüht, das Unterscheidungsmerkmal seiner Vorgehensweise in ein
Wort zu kleiden, hat Klaus Sander den Begriff 'Audiophilosophie'
angeführt. Aber das erscheint wenig glücklich. Es klingt zu gespreizt
für das, was supposé in seinen besten Produktionen zu Gehör bringt. Dieses Material,
ob aus den Archiven hervorgeholt oder im unmittelbaren Austausch
mit den Forschern neu aufgenommen, besticht immer durch Anschaulichkeit
der Darbietung. Da wird Erkenntnis vermittelt, ohne den Gestus
der Überlegenheit. Auch schwer Verständliches wirkt auf einmal
nicht mehr einschüchternd. Vielmehr wird man bei supposé eingeladen, die Wege der Forschung mitzugehen. Man wird ermutigt
mitzudenken und zu staunen." "Hörerlebnisse der etwas anderen Art: supposé-CDs sind nicht wegzudenken aus meiner Sammlung." "Audiophilosophie nennt der Produzent Klaus Sander sein überaus
anregendes Audioprojekt supposé (angenommen, dass). supposé wurde nicht fürs Radio entwickelt und ist fern von allen routinierten
Radiointerviews und Radiotalks. Das Programm setzt auf die besondere
Kraft des Auditiven, auf die Stimme. Inzwischen gehört eine Fülle
unorthodoxer Denker und Universalgelehrter dazu: in eigens gemachten
Gesprächen, in historischen Aufnahmen, von Privatbändern - ihre
Erzählungen sind immer auch Verführungen. Denn aus den Aufnahmen
strahlen Lebenserfahrung und das Streben nach Welterkenntnis,
nach Sinn. Vielleicht liegt ja gerade hier das Moderne und Anregende
des Erzählens: Erzähl mir die Geschichte vom Leben." "Auf den liebevoll gestalteten CDs plaudern die Gelehrten über
das, was die Welt im Innersten zusammenhält - ohne Redemanuskript,
ohne Fachchinesisch, verständlich für ein breites Publikum. 'Audiophilosophie'
nennen es die jubelnden Rezensionen bisweilen gespreizt; andere
sprechen von 'Clubhits' der Wissenschaftsvermittlung. Die Tonträger
sprechen jedenfalls für sich - spannend wie Hörspiele sind diese
Schnappschüsse für die Ohren. Sander schließt mit den Wissenschaftsplaudereien
eine Lücke zwischen Forschung und Kunst, zwischen Elfenbeinturm
und Populärkultur." "Gleich zwei Mal ist supposé im vergangenen Jahr für sein ungewöhnliches Profil ausgezeichnet
worden: mit dem Kurt-Wolff-Preis und dem Deutschen Hörbuchpreis.
Dabei mag Klaus Sander eigentlich nicht gern von 'Hörbüchern'
sprechen. Das klingt ihm zu sehr nach Zweitverwertung und 'Wir
lesen vor'. Er wünscht sich eine eigenständige akustische Publikationsform
und wirbt um Anerkennung für Qualitäten, die auf Papier nicht
zu haben sind: supposé ist den Sprechhaltungen, der Sprachmelodie und Spontaneität auf
der Spur. Vom 'Eros' der Stimme sprach Kulturstaatsministerin
Christina Weiss in ihrer (Kurt-Wolff-)Laudatio. Es ist das hörbar
Spekulative, das die Zuhörer anspricht. Denken ist sexy, wenn
es die Ungewissheit riskiert, in die einen auch Liebesdinge stürzen.
Alles (auch) eine Frage der Anatomie, wenn es nach Detlef Linke
geht: Auf einer supposé-CD spekuliert der im Februar diesen Jahres verstorbene Neurologe
über eine Anomalie in Hölderlins Gehirn, die die emotionale Reizbarkeit
des Dichters gesteigert haben mag. Es ist vor allem die Reflexion
über die Sprache, ihre klanglichen Unter- und Nebentöne und ihre
gesellschafliche Bedeutung, die - oft autobiografisch betrachtet
- als geheimes Leitmotiv das heterogene Verlagsprogramm zusammenhält." "Klaus Sander lässt in seiner Reihe 'Erzählte Wissenschaft' renommierte
Forscher ausführlich zu Wort kommen. Er will seine Produktionen
ausdrücklich nicht als herkömmliches Hörbuch verstanden wissen,
bei dem lediglich ein bestehendes Buch vorgelesen wird: 'Wir wollen
eine neue Audioform schaffen.' Dafür werden Autoren und Wissenschaftler
der Gegenwart eingeladen, ihre Themen im Gespräch frei zu entwickeln.
Am Beginn eines solchen Projektes steht ein Dreh- oder Skizzenbuch,
an dem sich der Forscher orientiert. Natürlich schneidet Sander
seine CDs später aus dem aufgezeichneten Rohmaterial zusammen
und wird damit selbst zum Vermittler - aber der persönliche Vortrag
ist dennoch viel unmittelbarer als ein geschriebener Text. Die
Idee, Experten direkt zu Wort kommen zu lassen, stammt aus dem
Jahr 1992. Damals archivierte Sander den Nachlass des Kommunikations-
und Medienphilosophen Vilém Flusser, bei dem er studiert hatte:
'Zwar gibt es zahlreiche Texte und Essays von Flusser, doch seine
eigentliche Stärke war das gesprochene Wort'. Einige Reden und
Gespräche von Flusser waren auf Band erhalten, Sander gab sie
1996 als CD heraus - und gründete eigens dafür sein Projekt, nachdem
die Erkenntnis gereift war, dass es noch viele andere beredte
Denker gab - und gibt. Der Name supposé heißt 'angenommen, dass', eine Wendung, mit der Flusser viele
seiner Vorträge einleitete. Sein Verlag füllt den Tag des Literatur-
und Medienwissenschaftlers mittlerweile vollends aus. Wann immer
Sander gefragt wird, ob man von diesen Special-Interest-Produkten
leben kann - und er wird des öfteren gefragt - antwortet er mit:
'Ich bin auf dem Weg dahin'." "Ein Roman, dessen Prosa einfühlsam vorgelesen wird, kann ein
Genuss für Ohr und Intellekt sein. Aber wissenschaftliche Texte
auf CDs gepresst, klingen die nicht wie Vorträge, weht da nicht
die Langeweile staubiger Hörsäle durch den Raum? Nicht, wenn die
CD aus dem Kölner Audioverlag supposé stammt. Dessen Gründer, Klaus Sander, lässt die Wissenschaftler
erklären, aber nicht vom Blatt, sondern in freier Rede. Klaus
Sander erklärt, dass er sich einer 'speziell aus dem Dialog entwickelten
Kommunikationsform' bedient, 'die aber kein Interview ist'. Mit
ihr verleitet er Wissenschaftler dazu, packend zu sprechen, ohne
Zugriff auf ein Manuskript, alleine mit der Intention, uns komplexe
Zusammenhänge verständlich zu machen. Die Methode funktioniert.
Den Deutschen Hörbuchpreis bekam Klaus Sander in diesem Jahr gleich
für seine komplette Edition verliehen. Wer sich lustvoll mit dem
zeitgenössischen Denken auseinandersetzen möchte, der ist bei
supposé richtig." "Es sind nicht Businesspläne oder eine besonders clevere Geschäftsidee,
die Mitte der 90er Jahre an der Wiege von supposé stehen. Klaus Sander legt Wert darauf, dass sein Label 'organisch'
aus der eigenen Biografie entstanden ist. Im achten Jahr von supposé scheinen seine kühnste Träume wahr zu werden: Vor wenigen Wochen
wurde das Kölner Ein-Mann-Unternehmen fast zeitgleich mit dem
Deutschen Hörbuchpreis und der Projektförderung des Kurt-Wolff-Preises
geehrt. 'Wenn du etwas wissen willst und es durch Meditation nicht
finden kannst, so rate ich dir, mit dem nächsten Bekannten darüber
zu sprechen.' So steht es in Kleists Aufsatz 'Über die allmähliche
Verfertigung der Gedanken beim Reden'. Fast ein wenig scheu schaut
Sander auf das mitlaufende Diktiergerät - eine deformation professionelle? Für den gebürtigen Westfalen, der seine Sätze, um größtmögliche
Genauigkeit ringend, langsam und mit Bedacht formuliert, ist supposé mehr als ein Hör-Verlag: Ist es möglich, jenseits der markterprobten
Blaupause 'Star liest Bestseller' eine eigenständige, nicht auf
Büchern basierende Audio-Publikationsform für des gesprochene
Wort zu entwickeln? Jeder Schritt führt in Neuland. Sander ist
alles andere als ein versponnener Daniel Düsentrieb. Mit seinem
Programm hält er die Balance zwischen der Edition historisch-dokumentarischer
Aufnahmen und Eigenproduktionen. Längst sind Leben und Arbeit
für Klaus Sander nicht mehr zu trennen; für Leute wie ihn muss
der Begriff Workaholic erfunden worden sein. Wenn er von seinen neuen Projekten erzählt,
gerät er, sonst ein Muster an korrekter Zurückhaltung, ins Schwärmen.
'Für mich', sagt Sander lächelnd, 'ist es immer ein Stück praktische
Forschungsarbeit.'" "Man hört Leute in eigener Sache reden und nicht nur als die mehr
oder minder geschickten Reproduzenten schon vorhandener Texte,
denen eine nicht authentische Stimme gegeben wird, die aber die
authentische Stimme des Textes zu sein vorgibt. 'Authentisch'
ist jedoch noch nicht das eigentliche Zauberwort. Was weit über
Authentizität hinausgeht, ist die erotische Komponente: die Stimme
als Werbungsträger. Damit sind diese Aufnahmen das Gegenteil von
Vermarktung, für die Stimmen eingesetzt werden, es ist eine Werbung,
die noch nichts von Vermarktung weiß. Es ist die erotische Komponente,
die man beim Buch imaginieren muß." "Die Hörbücher von supposé entstehen auf besondere Art: Zum einen werden aktuelle Autoren
und Wissenschaftler der Gegenwart eingeladen, ihre Themen im freien
Vortrag zu entwickeln und so das Denken in Bewegung vorzuführen.
Zum anderen ist es Klaus Sander durch enorme Recherche gelungen,
unbekannte Aufnahmen zu entdecken, in den Rundfunkarchiven, in
Sammlungen oder Schallarchiven verloren geglaubte Stimmen zu sichern
und in den Hörbüchern zu dokumentieren. So ist inzwischen eine
akustische Bibliothek modernen Denkens entstanden. Der Preis für
das besondere Hörbuch wird in diesem Jahr zum ersten Mal vergeben.
Die Jury hat sich für supposé entschieden. Wobei nicht eine einzelne Aufnahme, nicht diese
oder jene Stimme, nicht das einzelne besondere Dokument ausgezeichnet
werden, sondern weil für die gesamte Edition gilt: sie ist etwas
Besonderes." "Hier wird Wissen nicht repetiert, sondern jeder der vertretenen
Wissenschaftler eröffnet auf seine Weise neue geistige Horizonte.
Und da man das Gefühl vermittelt bekommt, er spräche zu uns als
seinem Gegenüber, stellt sich die Konzentration beim Hören wie
von selbst her. Die Lust an der Bildung, sie wird nicht nur beschworen,
sondern unmittelbar angeregt. Das Geheimnis dieser Audioproduktionen
müsste keines sein, wenn wir an unseren Schulen und Universitäten
nicht vergessen hätten, dass sich Wissen in seiner ganzen Tragweite
nur dort mitteilt, wo es über die persönliche Beziehung zwischen
Lehrer und Schüler oder im gegenseitigen Dialog zwischen Gesprächspartnern
vermittelt wird. Wir begreifen über Gefühle und nicht über Fakten,
erst die emotionale Färbung, die sich im frei gesprochenen Wort
entfaltet, ermöglicht es uns, auf tiefere Weise komplexe Inhalte
aufzunehmen. Die Wege des Erzählens werden subtil genutzt, um
Wissen zu transportieren. Freilich gehen den supposé-Produktionen umfangreiche Vorbereitungen und Recherchen voraus.
Eine Tatsache, die auch der Jury des Deutschen Hörbuchpreises
nicht verborgen geblieben ist, die gleich das gesamte Programm
von Klaus Sander nominierte." "Sie ist ein rätselhaftes Ding, die Stimme: Vom Auf und Ab des
Atems getragen, führt sie das menschliche Wesen mit sich. In der
Gestimmtheit und Stimmung seines individuellen Timbres wird uns
das Individuum kenntlich, bevor noch ein Wort gesagt worden ist.
Erhebt sich dann die mehr oder weniger geordnete Rede, erklingt
ein sinnig auf Wirkung gestimmtes Instrument, welches aber stets
seine kenntliche Imprägnierung trägt. Entgegen gängigen Befunden,
der Kulturmensch des dritten Jahrtausends lebe in einer vorwiegend
visuellen Welt, trägt das Medium des Hörbuchs zunehmend dazu bei,
unser Gehör (wieder) zu schärfen. War die angekratzte Sprechplatte
früher still und in Ehren im Regal verstaubt, verdanken sich dem
leicht und präzise zu handhabenden Tonträger der CD wertvolle
Neueditionen von Stimmen und Quellen. Seit rund einem Jahrzehnt
gibt der Kölner Verlag supposé die Avantgarde der Sprechtext-Renaissance heraus, indem man dort
Dokumente aus Literatur, Philosophie und Naturwissenschaft zu-hörlich
macht. Mit bewährt sorgfältig gestalteten Editionen wird nicht
nur unsere akustische Neugier gereizt, sondern auch ein Nach-Denken
über das Verhältnis von Natur- und Geisteswissenschaft, Individuum
und Gesellschaft." "Wer bei supposé an Hörbuch denkt, liegt nur bedingt richtig. Während Hörbücher
meist lediglich Prothesen der Buchvorlage seien, versteht Klaus
Sander seine Veröffentlichungen jedoch als eigenständige Produkte.
Zu Recht: Ihm geht es vielmehr darum, für Auditives aus dem Grenzbereich
von Literatur, Wissenschaft und Kunst eine geeignete Publikationsform
zu schaffen. Und während Vertreter der Schallplattenindustrie
unlängst beklagten, dass die Halbwertzeit ihrer Produkte immer
kürzer wird, nennt supposé auch Veröffentlichungen aus dem vergangenen Jahr 'Neuerscheinungen'.
Das liegt nicht nur daran, dass die CDs zeitlos konzipiert sind,
sondern auch an den immensen Recherchetätigkeiten, auf denen die
aufwendig gestalteten Digipaks basieren." "Seit nunmehr sechs Jahren pflegen die Audiophilosophen von supposé ein Hörprogramm, das unter der Marke 'Hörbuch' zu subsummieren
schlicht falsch wäre. Falsch, da keines der Hördokumente von supposé jemals in Buchform existierte." "supposé verfolgt einen ambitionierten Ansatz: sperrige Theorie sinnlich
erfahrbar zu machen. Ein Verlag, der dem Originalton, der spontanen
Rede, dem mäandernden Fluß des Gesprächs huldigt. Gerade das Rohe,
der Sprechduktus machen den Reiz aus - so bleibt das Dialogische
der Sprache erhalten. Klaus Sander verucht mit seinem Projekt
eine Lücke im medialen Wahrnehmungssystem zu schliessen. Das Programm
bietet jede Menge Stoff für Diskursjunkies. Oft erweisen sich
dabei sogar Wissenschaftler als talentierte Stimmenkünstler. Ob
Quantenmechanik, Gerhirngleichungen oder Hundegesang - so unterschiedlich
die Mischung der Themen bei supposé auch scheint, so sehr hält sie doch eins zusammen: die Stimme
als unterhaltsame und lehrreiche Erkenntnishilfe." "Sämtliche supposé-Veröffentlichungen sind nach Maßgabe des je zugrundeliegenden
Tonmaterials optimal aufbereitet, solide (aber ohne akademisches
Gefrickel) dokumentiert, individuell zum jeweiligen Inhalt passend
becovert und meist noch um weitere, teils handschriftliche Text-
und Visualkomponenten ergänzt, kurzum: hervorragend ediert. In
audiophilosophie we trust." "Hört man sich in die supposé-Veröffentlichungen ein, zeigt sich sehr schnell, dass es sich
keineswegs um trockene Elaborate und graue Theorie handelt. Ganz
im Gegenteil: hier wird philosophisches Denken sinnlich erfahrbar.
Zudem erweist sich mancher der vermeintlich schwierigen Denker
als ausgesprochen amüsanter Unterhalter. Das Spektrum des Audiophilosophie-Verlags
ist weit gesteckt, der Anspruch stets hoch. supposé hat eine Lücke geschlossen, von der man kaum ahnte, dass es sie
überhaupt gibt. Gewissermaßen hat Klaus Sander mit seinem Programm
nicht nur eine neue mediale Sparte getroffen, sondern eine Wahrnehmungsschiene
eröffnet, die uns vor allem eins vermittelt: die sinnliche Qualität
von Theorie."
(NIDO, Nr. 12/2011-01/2012)
(Rita Nikolow, Der Tagesspiegel, 4. Oktober 2011)
(Lilli Nitsche und Roger von Heereman, Kreuzer, März 2011)
(Gisela Trahms, Culturmag, 15. Dezember 2010)
(Gisela Trahms, Culturmag, 8. Dezember 2010)
Wer ist der Mann, der Experten und Literaten gleichermaßen zum
Reden bringt und sich nur ungern einen Hörbuchverleger nennen
lässt? Nicht etwa, weil er etwas gegen Verleger oder Hörbücher
hätte. Mit der Erfindung 'Antihörbuch' könne er nichts anfangen,
sagt Klaus Sander, weil er nicht gegen ein bestimmtes Genre angetreten
sei, sondern auf der Suche war nach etwas Drittem, das nicht vom
Buch her kommt und dem gesprochenen Wort einen neuen Rang verschafft.
Eine Kunstform, irgendwo zwischen unmittelbar und formvollendet.
Wenn man Klaus Sander unter der supposé-Adresse besucht, trifft man ihn gleichzeitig zu Hause an. Zwei
große Räume in der Charlottenburger Altbauwohnung bilden Büro
und Archiv, daran schließt sich der Wohntrakt an - alles angenehm
geradlinig, ohne deshalb gleich asketisch zu wirken. Trotz der
klassischen Osmose aus Wohnen und Arbeiten fehlt hier aber jede
Anmutung von Laptop-Kreativität, die permanent auf irgendeine
Szene-Zugehörigkeit verweist. Keinerlei Anzeichen von marktgerechter
Content-Erzeugung, ganz offenbar ist der Gewinn, um den es hier
geht, nur der Erkenntnisgewinn. Sander, Jahrgang 1968, sieht supposé vor allem als persönliches Forschungsprojekt. Über den weit gespannten
Themen, von der Mikrobiologie über den Flug der Zugvögel bis zum
Radikalen Konstruktivismus, schwebt eine Form-Frage, die sich
von der Wissenschaft auf die Literatur übertragen lässt: Welchen
Status hat das gesprochene Wort? Und ab wann verwandeln sich eigentlich
Worte in Literatur? Sander interessieren an der Kluft zwischen
dem Authentischen und Künstlichen vor allem poetologische Fragen.
Angefangen hatte alles 1996, mit einer Vilém-Flusser-CD. Sander
studierte zu Beginn der neunziger Jahre in Bochum, angezogen vom
Charismatiker Friedrich Kittler, der einen anderen Charismatiker,
Vilém Flusser, nach Bochum geholt hatte. Der Medienphilosoph,
der im November 1991 bei einem Autounfall starb, arbeitete nicht
in Groß-Monografien, sondern eher assoziativ und essayistisch,
ziemlich unakademisch also. Dafür wurde er von den etablierten
Geisteswissenschaften lange ignoriert und von einigen Diskurs-
und Medientheoretikern um so heißer gehandelt. Sander, gerade
mal 23, wurde Assistent von Flussers Witwe, zusammen erschlossen
sie den Nachlass und bauten ein Archiv auf.
Es dauerte noch ein paar Jahre, bis Sander selbst eine CD mit
Tondokumenten von Flusser herausbringen konnte. Das Sprachgenie
lieferte auch gleich den Namen: Mit supposé que, angenommen dass, fingen viele seiner Vorträge an. Als Initial einer Denkbewegung
und Einladung zum Dialog hat Sander das Flussersche supposé que verstanden, und das passte. Der Name war eine echte Theoriekreation,
so sperrig, französisch und klein geschrieben, dass die Buchhändler
gleich mehrfach zusammenzuckten. Vor sechzehn Jahren wollte sowieso
kaum ein Buchhändler CDs im Laden liegen haben - funktioniert
hat es dann trotzdem.
Großzügige Erbtanten oder Mäzene, die so viele Kleinverlage erst
möglich machen, gab es nicht. Zwischen den Produktionen lagen
anfangs längere Pausen, weil die nächste Idee erst mit anderen
Jobs finanziert werden musste. Ein Wissenschaftshit gelang supposé 1999 mit 2 x 2 = grün. Der Kybernetiker Heinz von Foerster war ein Glücksfall, philosophisch
und akustisch: Niemand sonst kann auf so sympathische Weise vor
sich hin schrullen und darüber die Grundlagen der Sprache und
Ethik erklären. Genau der richtige Mann also für ein ideenfixiertes,
Nüchternheit antäuschendes, dann aber auch sehr verspieltes und
gelegentlich spinnertes Audio-Programm.
Mittlerweile hat supposé eine eindrucksvolle Bandbreite, die von der Virologin Karin Mölling
bis zur Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller reicht, vom Feuer-Ökologen
Johann Georg Goldammer bis zu Gershom Scholem, Arnold Schönberg
oder Max Planck. Zwischen den historischen Aufnahmen und den gegenwärtigen
Wissenschaftlern bestehen oft direkte Verbindungslinien. Alles
erwächst, beteuert Sander, organisch aus dem Programm. Er arbeitet
sich in die Themen ein, und so verästelt sich das Interesse immer
weiter. Um Grafik, Technik und Konzeption kümmert sich der supposé-Gründer weitgehend selbst, dazu kommen hilfreiche Freunde und
Mitstreiter. Weil die Produktionen von Anfang an nicht im Studio,
sondern in der natürlichen Umgebung der Erzähler aufgenommen wurden,
hat sich Klaus Sander über die Jahre zum Vor-Ort-Aufnahme-Spezialisten
entwickelt. Manchmal sind das Wohnungen, Büros oder Labore, manchmal
aber auch Sternwarten oder Höhlen. In Island hat er sich kürzlich
hinter einem Traktor versteckt, um den Wind-Geräuschpegel zu senken..."
(Jutta Person, Literaturen, Oktober/November 2010)
(Tobias Barth, MDR Figaro Durchgehört, 13. Juni 2010)
(Denis Scheck, Literarische Gesellschaft Karlsruhe, 11. Mai 2009)
(Matthias Kratzenstein, sprecherforscher, 12. April 2009)
(Ulrich Rüdenauer, Falter Wien, 18. März 2009)
(Daniela Seel, Deutschlandfunk Büchermarkt, 10. März 2009)
(Wilhelm Trapp, DIE ZEIT, 5. März 2009)
(Eva Weidmann, Capital, Oktober/November 2008)
(Gert Scobel, ZDF sonntags, 13. Januar 2008)
(Daniela Seel, Deutschlandfunk Büchermarkt, 13. Januar 2008)
(Georg Mahlberg, hr2 Mikado spezial, 24. März 2007)
(Thomas Meinecke, DIE ZEIT, 19. Oktober 2006)
(Hans-Jürgen Krug, epd medien, 31. Mai 2006)
(Hilmar Schmundt, DER SPIEGEL, Nr. 19/2005)
(Frank Kaspar, Theater heute, August/September 2005)
(Thilo Resenhoeft, dpa, 28. Februar 2005)
(Thomas Linden, Kölnische Rundschau, 2004)
(Nils Kahlefendt, Börsenblatt, Nr. 18/2004)
(Christina Weiss, Laudatio zur Verleihung des Kurt-Wolff-Preises
für besondere Projekte, 26. März 2004)
(Fritz Pleitgen, Laudatio zur Verleihung des Deutschen Hörbuchpreises,
17. März 2004)
(Thomas Linden, freigeist, März 2004)
(Christiane Zintzen, Neue Zürcher Zeitung, 13. Januar 2004)
(Thomas Voburka, StadtRevue Köln, Mai 2003)
(Cornelia Niedermeier, Der Standard, 30. Dezember 2002)
(Sabine Oelze, Deutschlandfunk Corso, 13. November 2002)
(Johannes Ullmaier, Testcard, Nr. 10, Juli 2001)
(Enno Stahl, Deutschlandfunk Büchermarkt, 25. Juni 2001)